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Warum der Ratschlag "sei du selbst” für Singles nicht immer hilfreich ist

Alle, die alleinstehend sind und (schon lange) nach Liebe suchen, werden oft mit gut gemeinten Ratschlägen überschüttet. Man hört oft diese Art von Ratschlägen:

  • Sei authentisch! Nur wenn du dich selbst zu 100% zeigst, kannst du die wahre Liebe anziehen.

  • Sei du selbst! Nur wenn du du selbst bist, kannst du die wahre Liebe anziehen

  • Genieße dein Leben, suche dir Hobbys!

  • Schließe dich einem Verein an!

  • Geh aus! (aber geh nicht in eine Bar oder einen Club, denn nur dort wirst du die falschen Leute treffen).

  • Bleib geduldig, es wird schon passieren.

Alle diese Ratschläge sind nützlich, aber es ist schwierig zu beurteilen, was genau damit gemeint ist. Es könnte damit gemeint sein, dass man den Druck aus der Beziehungssuche nehmen und ein normales und entspanntes Leben führen sollte. Oder dass man authentisch sein muss, um den richtigen Partner mit ähnlichen Eigenschaften oder Interessen zu finden?


Das Problem mit solchen Ratschlägen ist, dass sie meistens nicht so aufgenommen werden, wie sie gemeint sind. Wenn jemand den Rat bekommt "sei du selbst und die Liebe zu dir wird schon kommen", fühlt er sich eher noch unverstanden, einsam und isoliert. Aus seiner Sicht hört er schlimmstenfalls eigentlich:


“Du bist Single, weil du einige Dinge falsch machst. Du musst dich reparieren und vervollständigen, bevor man auf dich aufmerksam wird und du die Liebe findest, nach der du suchst. Hier scheinst du derzeit zu versagen.”

Als Single kann man sich durch solche Ratschläge nur noch unzulänglicher fühlen, weil man immer mehr in die Annahme versinkt, etwas falsch zu machen. Man meint, man sei nicht richtig, und wenn man nur das Richtige tun würde und richtig wäre, würde die Liebe schon kommen. Aber da sie nicht kommt, muss man wohl doch irgendetwas falsch machen oder falsch sein.


Wenn man anderen solche Ratschläge gibt, dann führt das meistens nur zu noch mehr Selbsthass und gefühlter Ablehnung. Es ist also genau das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war. Aber warum ist das so?



1. Dieses „ich selbst sein“ ist schwer zu finden

Dieser Ratschlag impliziert eine Grenze zwischen „ich selbst“ und „nicht ich selbst“. Diese Grenze ist jedoch recht abstrakt. Das Problem hier ist, dass viele, viele Menschen nicht wissen, wer sie sind, und sie können es auch beim Besten Willen nicht herausfinden. Häufig steckt da ein Entwicklungstrauma oder andere schlechte Erfahrungen dahinter, die ein Abspalten von sich selbst herausgelöst haben. Andere mussten immer eine „Maske“ tragen, um in der Kindheit emotional überleben zu können. Sie mussten ggf. einem unzufrieden und kritischen Elternteil Projektionsfläche bieten, was dazu führte, dass sie eben nicht "sie selbst" sein konnten. Diese un einige andere Beispiele können die sogenannten Kindesprogrammierungen sein. Im Erwachsenenalter fällt es ihnen dann umso schwerer, hinter diese Maske, die sich meist unbewusst aufgebaut haben, zu schauen und zu erkennen, wer man eigentlich war, bevor man sie aufgesetzt hat. Wenn man so einer Person jetzt sagt: „Sei du selbst“, dann impliziert man: „geh zurück zu diesem Punkt, wo du DU selbst warst. Zurück zu dem Punkt, bevor du jemand anders geworden bist (nämlich „nicht du selbst“) und werde wieder so, wie damals. DANN wird die Liebe automatisch zu dir kommen.“


Dieses Zurückkehren zu einem unbestimmten Punkt, ab dem man irgendwann nicht mehr „selbst“ geworden ist, ist jedoch für die meisten nicht möglich. Denn, sie können diesen implizierten Punkt erst gar nicht identifizieren! Erstens, weil es den einzelnen Punkt vielleicht nicht gibt, weil es ein schleichender Prozess war. Und zweitens, weil man häufig nicht mal die Möglichkeit hatte, dieses „selbst“ überhaupt erst zu entwickeln, an dem man sich dann entschieden hätte, auf einmal nicht mehr „ich selbst“ zu sein.


Manchmal ist es schwierig herauszufinden, welche Eigenschaft oder Verhaltensweise man von sich selbst hat und welche Einflüsse aus der Gesellschaft, Konditionierung oder Umständen stammen. Oftmals ist es so vermischt, dass es schwer ist zu erkennen, woher was kommt - besonders während des Erwachsenenalters. Ein Beispiel hierfür wäre:


Person A geht häufig Tanzen. Ist er nun beim Tanzen ganz „er selbst“ oder wird diese Aktivität aus anderen Gründen betrieben? Ist er vielleicht in der Schule damals dazu bewegt worden, zu tanzen, weil er dann bei den Mädchen besser ankam? Musste er sich vielleicht in der Schule damals diese Maske des „Tanzenden“ auferlegen und hat diese Aktivität selbst so verinnerlicht, dass er sich sein Leben jetzt ohne Tanzen nicht mehr vorstellen kann? Erhofft er sich vielleicht etwas aus der Tanzaktivität (z.Bsp. gesellschaftliche Anerkennung oder Teilhabe), oder tanzt er, weil es seiner Seele gut tut und es seine seelische Berufung ist, zu der er unabhängig von gesellschaftlichen Einflüssen früher oder später gekommen wäre? Ist dieses „Tanzen“ also etwas, was „ihn selbst“ auszeichnet, oder ist es „nicht selbst sein“? Es ist schwierig, da eine klare Grenze zu definieren: wer bin ich „ich selbst“ und wer bin ich wenn ich nicht „ich selbst“ bin?


2. Wo liegt das Ziel und wann habe ich es erreicht?


Dies bedeutet, dass es keine klare Linie zwischen „ich selbst“ und „nicht ich selbst“ gibt. Natürlich gibt es Eigenschaften, die eindeutig zu einer Person gehören oder nicht. Aber genauso viele Merkmale wären schwer zuzuordnen. Es ist also wichtig, dass man nicht versucht, sich streng an den Unterscheidungsmerkmalen festzuhalten, sondern mehr auf das große Ganze achtet.

Warum ist es wichtig, ein Ziel zu haben, um „ich selbst“ zu sein? Weil man so festlegen kann, wo man steht und was man tun muss, um das Ziel zu erreichen. Aber wie schaffe ich es überhaupt, dieses Ziel richtig zu definieren und zu erfassen? Wann weiß ich endlich, dass ich an meinem Ziel angekommen bin? Wie kann ich wissen, ob ich nun vermeintlich „ich selbst“ bin und welche Menge an „Ich sein“ notwendig ist, um die wahre Liebe anzuziehen? Und ist die Abwesenheit der wahren Liebe ein Zeichen dafür, dass ich noch nicht„mich selbst“ gefunden habe?


Zerlegen wir es auf eine einfachere Ebene: Wenn Menschen hören, dass sie “sie selbst sein” sollen, bekommen sie sofort stressige Gedankenmuster. Dieses Ziel erscheint ihnen unverständlich, ungreifbar und unerreichbar. Es kann leicht zu Frustration führen, weil die Menschen nicht wissen, was zu tun ist.


3. Niemand weiß die wahre Formel der Liebe!


Die Realität ist, dass die Liebe eines der Dinge im Leben ist, die wir nicht kontrollieren können.




Es gibt viele Aspekte unseres Lebens, die wir anpassen können. Wir können unsere Karriere planen und den Ort wählen, an dem wir leben möchten. Wir können Freunde finden, die zu uns passen. Und wir können an unserem Aussehen oder Gewicht arbeiten - alles mit viel Engagement und Energie. Aber es ist möglich!


Doch die wahre Liebe und das Gefühl, geliebt zu werden, ist nicht so einfach herzustellen. Auch wenn wir uns bemühen, eine starke und liebevolle Beziehung aufzubauen, steht es letztendlich nicht ganz in unserer Macht. Egal, was wir auch unternehmen.


Es ist eine Herausforderung, die Geheimnisse der Liebe zu entschlüsseln. Viele Menschen haben ihre eigene Theorie dazu, aber letztendlich wissen wir nicht sicher, was uns zur wahren Liebe führt und warum es bei manchen Menschen funktioniert und bei anderen nicht. Daher müssen wir uns auf unsere gesamte menschliche Erfahrung stützen und versuchen, Regeln und Formeln zu finden, die uns vorhersagen können, ob und wann die große Liebe in unser Leben tritt. Aber sicher wissen kann das niemand.


Es ist unmöglich, eine Formel oder Richtlinie für die Liebe zu finden. Selbst Experten und Gurus wissen nicht mehr als Du und können Dir nicht sagen, ob Du "du selbst" sein musst, um Liebe zu finden, und wieviel davon Du brauchst. Es gibt keine Garantie für Liebe - man muss es einfach riskieren und sehen, was passiert.


4. Viele Menschen, die nicht sehr selbstsicher sind, haben dennoch eine befriedigende und erfüllende Liebe gefunden.

Die andere Wahrheit ist: es gibt viele Menschen, die nicht mit sich im Reinen sind. Sie sind mit ihrem Aussehen oder ihre Karriere unzufrieden. Sie haben Depressionen, mentale Krankheiten oder sind ängstlich. Es gibt viele Menschen, die „nicht sie selbst“ sind, die eine Maske tragen oder sich nicht trauen, ihre eigene Meinung zu sagen, und finden trotzdem eine tiefe, erfüllende Liebe! Möglicherweise gehörst auch du dazu!


Es ist nicht notwendig, an sich selbst zu werkeln, nur um jemanden zu finden. Du musst nicht wissen, was genau du tun solltest oder ob es das Richtige ist. Entspanne dich einfach, während du auf die Liebe wartest!


Während du an dir arbeitest, ist es wichtig, dass du es nur für dich selbst tust und nicht in der Hoffnung, dass andere Menschen eine Beziehung mit dir eingehen. Wenn du zu viel an dir arbeitest, wirst du die Botschaft bekommen, dass etwas an dir nicht stimmt. Sei also vorsichtig und gehe sorgfältig vor!


Ich möchte den Ratgebern unter euch sagen, dass ich eure guten Absichten schätze. Seid aber einfühlsam, verständnisvoll und mitfühlend. Niemand weiß warum jemand allein ist und wann, oder ob die Liebe bald zu ihm kommen wird. Jeder sehnt sich nach Liebe - und emotionale Anerkennung ist manchmal einfach am besten. Der Einsame möchte kein Urteil fürchten, sondern die Akzeptanz spüren.


Seien wir nett zueinander! Bis zum nächsten Mal.

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